Mittwoch, 7. April 2010

Ey, deine Tasche brennt

Diese Sache ist mir wirklich mal passiert. Kein Witz.

Mein Mitbewohner und ich hatten abends noch eine Flasche Wein aufgemacht. Eine Freundin kam noch vorbei. Sie hatte auch eine Freundin von sich mitgebracht. Der Anblick von ihr elektrisierte mich. Sie sah wirklich bezaubernd aus.

Und wir verstanden uns auf Anhieb. Redeten, flirteten, entdeckten eine Gemeinsamkeit nach der anderen. Ich mochte sie und war sehr erfreut, als sie mich einlud, mit ihr am nächsten Morgen in die Uni zu kommen. Eine Vorlesung über Karl Marx stand auf dem Programm, aber ich wäre auch mit ihr dort hingegangen, wäre es um theoretische Atomphysik gegangen. Ich hatte mich ein bisschen in sie verknallt.

Am nächsten Morgen stand ich früh auf und fuhr zur Uni. Meine neue Freundin war noch nirgendwo zu sehen. Ich stelle mich an den Eingang und wartete. Ich hatte extra Schreibzeug in meine Stofftasche gepackt, die um meine Schulter hing. Ich wollte mir während der Vorlesung Notizen machen. Vielleicht würde sie ja von meinem großen Interesse beeindruckt sein.

20 Minuten später war sie immer noch nicht da. Ich wurde langsam ungeduldig. Die Vorlesung hatte schon längst angefangen. Wo blieb sie nur!? Dicht neben mir standen ein paar Typen, die es wohl auch nicht so ernst mit ihrem Studium nahmen. Sie unterhielten sich laut und rauchten dabei.

Endlich sah ich sie. Sie kam mit ihrem Fahrrad um die Ecke, schloss es schnell ab und hastete die Treppenstufen hoch. Ich war ziemlich aufgeregt. Freute mich sehr sie zu sehen. Würde sie sich genauso freuen? Ihr Blick als sie mich sah gab mir Rätsel auf. Sie schaute mich an, als hätte ich ein Vogelnest auf dem Kopf.

Dann sagte sie den Satz, den ich mein ganzen Leben nicht mehr vergessen werde. "Ey, deine Tasche brennt!". Zuerst war ich etwas verwirrt, aber als ich an meiner rechten Seite hinunter sah, stelle ich fest, dass sie recht hatte. Meine Tasche brannte tatsächlich lichterloh. Geistesgegenwärtig warf ich sie auf den Boden und trat die Flammen aus. Die Tasche war nur noch ein aschener Haufen. Es war eine bescheuerte Situation. "Danke", war das einzige, was ich sagen konnte. Sie sagte dann nichts mehr. Einer von den rauchenden Typen bekam einen Lachanfall.

Dies war dann leider auch unser letztes Treffen. Wir gingen dann zwar noch in die Vorlesung. Ich habe sie seitdem aber nie wieder gesehen. Ich glaube sie hielt mich für einen ziemlichen Freak.

1 Kommentar:

  1. Danke für die Geschichten in deinem Blog. Wenn das alles wirklich selbst erlebt ist, muss ich sagen, du hast ein stranges und deswegen interessantes Leben.
    Du twitterst deinen Lesern ja wenn was in deine Youtube-Favoriten wandert.
    Wie heißt denn dein Kanal?

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